ADHS
Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität. Leitsymptome sind eine verminderte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, gesteigerter Bewegungsdrang sowie Impulsivität.

ADS
Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ohne Hyperaktivität). Die Leitsymptome sind verminderte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, Impulsivität sowie ein normaler oder reduzierter Bewegungsdrang.

Anamnese
Erhebung der Patientenvorgeschichte durch den Arzt. Gespräch des Arztes mit dem Patienten; bei Kindern auch mit den Eltern.

Basalganglien
Ansammlung von Nervenzellkörpern (Kerngebiete), die tief im Zwischenhirn liegen. Sie sind die Zentren für die unbewusste Bewegungskoordination, Körperhaltung, Gestik und Mimik.

bildgebende/elektrophysiologische Verfahren
Verfahren und Techniken zur Untersuchung von Gehirnfunktionen, z.B. Computertomographie oder Magnetresonanztomographie sowie z.B. Elektroenzephalographie ( s. EEG).

Cognitive Enhancement
Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit

Compliance
Bereitschaft des Patienten, bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen mitzuwirken. Beispiel: Zuverlässigkeit bezüglich des Befolgens ärztlicher Anweisungen.

deprivierende Verhältnisse
Familiäre Bedingungen, die verwahrlosend auf das Kind wirken.

Dopamin
Botenstoff des Gehirns. Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei der Reizweiterleitung in den Synapsen.

DSM IV
Diagnostisches Statistisches Manual. Richtlinie zur Einteilung psychischer Störungen nach Empfehlungen der amerikanischen Gesellschaft für Psychiatrie (APA). Für ADS|ADHS werden drei Unterklassifizierungen genannt:
• die überwiegend unaufmerksame Form,
• die überwiegend hyperaktiv-impulsive Form,
• die gemischte Form, bei der alle drei Verhaltensauffälligkeiten (unaufmerksamer, impulsiver und hyperaktiver Typ) vorliegen.

EEG
Elektroenzephalogramm: das Aufzeichnen und Auswerten des Hirnstrombildes.

EKG
Elektrokardiogramm: diagnostisches Verfahren zum Aufzeichnen der Herzmuskelströme.

Elterntraining
Übungen für Eltern, mit denen sie lernen können, auf bestimmte Verhaltensweisen ihres Kindes angemessen zu reagieren.

fakultativ
Der eigenen Entscheidung bzw. der Entscheidung des Arztes überlassen. Nur in bestimmten Fällen notwendig.

familienzentrierte Therapie
Form der Psychotherapie, bei der die Familie als Ganzes in die Behandlung mit einbezogen wird. Dies bringt oft größere Behandlungserfolge als die Alleintherapie des Patienten.

genetische Differentialdiagnostik
Vorgehen zum Nachweis und zur Feststellung von genetisch bedingten Krankheiten bzw. zum Nachweis einer vererbten Anfälligkeit für eine Krankheit.

Hyperaktivität
(von griechisch hyper = über, hoch) Übersteigerter Bewegungsdrang, Unrast, Unruhe.

hyperkinetisches Syndrom
Anderer Begriff für das Krankheitsbild ADS/ADHS.

Hypoaktivität
(von griechisch hypo = unter, unterhalb) Verminderter Bewegungsdrang.

ICD-10
Das ICD-10 ist das internationale Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Es unterscheidet zwei Kategorien:die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung,die hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (Hyperaktivität in Kombination mit sozialem Fehlverhalten).Das ICD-10 ist in Deutschland das maßgebende System zur Klassifizierung der ADS/ADHS-Symptomatik.

impulsives Verhalten, Impulsivität
Spontanes plötzliches Ausführen von Handlungen, ohne zu überlegen und/oder die Folgen zu bedenken.

Intervention
Geplante und gezielt eingesetzte Maßnahmen, um Störungen vorzubeugen, zu beheben oder deren negative Folgen einzudämmen.

kindzentrierte Verfahren
Behandlungen, die sich vornehmlich mit dem Kind beschäftigen.

Komorbiditäten
Begleiterkrankungen, die neben der ADS|ADHS auftreten und gesondert diagnostiziert und behandelt werden müssen.

Leitsymptome
Zentrale Symptome ( s. Symptome).

Lese-Rechtschreibschwäche/Rechenschwäche
Teilleistungsstörungen, bei denen durch spezifische und umschriebene Störungen in bestimmten Hirnbereichen die Lese- und/oder Rechtschreibleistungen des betroffenen Kindes beeinträchtigt sind bzw. eine spezifische Rechenschwäche vorliegt. Beide Störungen gehen in der Regel mit normaler Intelligenz einher.

Motorik
Gesamtheit der vom Zentralnervensystem gesteuerten aktiven Bewegungen. Die Motorik beinhaltet die Einzelbewegung, das Zusammenspiel aller Bewegungsabläufe sowie die Feinabstimmung der Bewegungen. Störungen der Motorik können sowohl durch eine Erkrankung der Muskulatur, der Bänder und Gelenke ausgelöst werden als auch auf einer Störung des Nervensystems beruhen.

motorische Teilleistungsstörungen
Spezifische Beeinträchtigungen in der Koordination der Bewegungsabläufe. Dies äußert sich z.B. bei Kindern darin, dass sie schlecht Bälle fangen oder den Hampelmannsprung nicht ausführen können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Syndrom des „ungeschickten Kindes“.

multimodaler Therapieansatz
Behandlung, die sich aus einer jeweils individuellen Kombination unterschiedlicher Therapien bzw. Therapieanteilen zusammensetzt. Der multimodale Therapieansatz bei ADS/ADHS umfasst die Eltern-Kind-Beratung, psychotherapeutische Maßnahmen (z.B. Verhaltenstherapie) und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie.

neurologische Untersuchung
Analyse und Registrierung von Ausfällen der Funktionen und Leistungen des Nervensystems.

neurologisch-motoskopische Untersuchung
Neurologische Untersuchung eines Kindes mit zusätzlicher spezifischer Untersuchung der Bewegungsabläufe.

Noradrenalin
Botenstoff des Gehirns. Noradrenalin spielt eine wichtige Rolle bei der Reizweiterleitung in den Synapsen (s. dort).

obligat
In jedem Fall notwendig.

Pädaudiologie
Fachrichtung der Medizin, die sich mit der Diagnostik und Behandlung kindlicher Hörstörungen befasst.

Pädophthalmologie
Fachrichtung der Medizin, die sich mit der Diagnostik und Behandlung kindlicher Sehstörungen befasst.

Pharmakotherapie
Therapie mit Medikamenten.

Phoniatrie
Fachrichtung der Medizin, die sich mit der Diagnostik und Behandlung der Stimm- und Sprechstörungen befasst.

projektive Testung
Testpsychologische Untersuchung, die sich die Eigenschaft von Menschen zu Nutze macht, z. B. in einem gemalten Bild unbewusste Prozesse auszudrücken oder aber in mehrdeutigen Abbildungen die Dinge zu sehen, die für den jeweiligen Menschen von besonderer Bedeutung sind.

Psychodiagnostik
Mit Hilfe von Verhaltensbeobachtung, Testverfahren oder Befragung werden Eigenschaften systematisch erfasst, die eine Vorhersage oder Erklärung von Verhalten zulassen.

psychosoziale Faktoren
Faktoren der Umwelt (Familie, Schule, Beruf, Umfeld).

Psychostimulanzien
Auch: Psychopharmaka. Substanzen, die über eine direkte Beeinflussung des Zentralnervensystems Erleben und Verhalten des Patienten verändern. Medikamente, die vor allem den Antrieb steigern und psychisch anregend wirken. Die Verordnung dieser Medikamente unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.

Stirnhirn
Großhirnlappen mit Zentren für willkürliche Bewegungen sowie Kontrolle und Koordination vegetativer, affektiver und geistiger Funktionen.

Symptome
Zeichen, die auf ein bestimmtes Krankheitsbild hindeuten.

synaptischer Spalt, Synapse
Als Synapse bezeichnet man die Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen. Sie ist die Umschaltstelle zur Übertragung von Erregungen von einer Nervenzelle auf die andere bzw. auf das jeweilige Organ (z.B. auf den Muskel). Die Erregungsübertragung erfolgt auf chemischem Weg über die Neurotransmitter. Die Synapse besteht aus 2 Teilen, die durch den synaptischen Spalt getrennt sind.

Syndrom des ungeschickten Kindes
Siehe ¢ motorische Teilleistungsstörungen.

Teilfunktionen, Teilleistungen
Gedächtnis, Wahrnehmung, Feinmotorik, Koordination.

Teilleistungsstörungen
Störungen, die das Gedächtnis, die Wahrnehmung, die Feinmotorik oder die Koordination betreffen. In Zusammenhang mit ADS|ADHS sind das vor allem die Lese-Rechtschreibschwäche und die Rechenschwäche.

Tic-Störungen
Unwillkürliche Zuckung eines oder mehrerer – meistens – Gesichtsmuskel, die sich unter Anspannung verstärkt.

übende Verfahren
Hierbei trainieren die Kinder, wie sie andere Verhaltensweisen erlernen können.

Verhaltenstherapie
Psychotherapeutisches Verfahren zur Behandlung von seelischen Störungen, bei dem störende Verhaltensweisen abgebaut und dafür neue erlernt werden. Der Betroffene soll seine Störung gewissermaßen verlernen und stattdessen bestimmte Bewältigungsstrategien erlernen, um sein Leben zu meistern.
Eine Form der Verhaltenstherapie ist die operante Konditionierung. Hier werden erwünschte Verhaltensweisen systematisch belohnt. Diese Methode kommt auch bei der Behandlung der ADS|ADHS zum Einsatz.

videogestützte Diagnostik
Diagnostik unter Zuhilfenahme von Videoaufnahmen der betroffenen Kinder und ihrer Familien.

Vulnerabilität
Verletzlichkeit, Empfänglichkeit. Bezeichnung für eine individuelle Empfänglichkeit, auf Belastungen überdurchschnittlich stark zu reagieren. Diese Verletzlichkeit kann durch genetische, organische, biochemische, psychische und soziale Faktoren bedingt sein.

zentralmotorische Koordinationsstörungen
Siehe motorische Teilleistungsstörungen.